Geschichte und Betrieb:Geschichte/de

Aus Feldbahn.Modellbau

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Geschichte und Betrieb / History & Operation


Bahnen 3. Ordnung

Unter Feldbahnen verstand und versteht man die "schmalspurigen Bahnen des nichtöffentlichen Verkehrs", die immer dort eingesetzt wurden, wo der Pferdewagen überfordert war oder wo sich eine "richtige" Eisenbahn nicht rentiert hätte.
Zu diesen "Bahnen der dritten Ordnung" gehörten und gehören teilweise noch heute:

  • Die Landwirtschaftsbahnen für den Transport von Agrargütern
  • Die Fuhrwerksbahnen, eine frühe Form der Landwirtschaftsbahn
  • Die Waldbahnen für den forstwirtschaftlichen Betrieb
  • Die Zufuhr-Bahnen in Kalk- und Steinbrüchen, Kies-, Sand- und Tongruben, Zementwerken, Ziegeleien und Torfwerken
  • Die Materialbahnen in Fabriken für den innerbetrieblichen Transport
  • Die Baubahnen für den Material- und Ausrüstungstransport auf Baustellen
  • Die Heeresfeldbahnen für militärischen Nachschub während der beiden Weltkriege
  • Die Grubenbahnen in Bergwerken
  • Die Abfuhrbahnen für den Materialtransport (Rohstoffe und Fertigwaren) vom Werk zum nächsten Verkehrsanschluß
  • Die Treidelbahnen für den Schiffstransport in künstlichen Wasserstraßen

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Die Vielfalt der Feldbahn reichte von der einfachsten Ausführung bis hin zur kleinbahnmäßig ausgebauten Transportbahn. Die einfache Feldbahn wurde mit fertig montierten Gleisjochen schnell auf den unbefestigten Untergrund verlegt, um dann auf ihnen leichte Loren und Kastenwagen per Hand zu bewegen. Die größte Ausführung ist fast schon als Kleinbahn zu bezeichnen. Bei ihr wurde der Oberbau trassiert, die Schienen auf hölzernen Schwellen langfristig verlegt und der Betrieb mit schweren Lokomotiven und Wagen durchgeführt. Die Vielfalt der zwischen diesen beiden Variationen liegenden Ausführungen übersteigt jede Beschreibung. Die Feldbahn als solche ermöglichte es jedem kleineren Unternehmer, und hierunter sind auch die Landwirte zu nennen, sich des Rad-Schiene-Systems zu bedienen, dessen Hauptvorzug von jeher die leichte Beförderung großer Lasten gewesen ist.

Die Geschichte der Feldbahn beginnt bereits im 16. Jahrhundert mit den ersten Bergwerksbahnen. So beschreibt Georg Agricola im 1556 erschienen Buch "Vom Berg- und Hüttenwesen" den "Hund", einen spurnagel-geführten Kastenwagen.
Von da ging die Entwicklung weiter zu schienengeführten Wagen auf reinen und später eisenbeschlagenen Holzschienen, bis im Jahr 1767 von dem Engländer Reynolds die Eisenschienen erfunden wurden. Diese ersten Schienen waren in der Straße eingelassen und leicht u-förmig gebogen, da die Eisenbahnräder noch keine Spurkränze aufwiesen.
Spurkranzräder wurden erstmals 1775 vom Maschinendirektor Friedrich im deutschen Clausthal für die Bahn zwischen Grube und Pochwerk eingesetzt. Die Erfindung der pilzförmigen Eisenschiene von Jessop im Jahr 1789, die Spurkranzräder erforderlich macht, markiert das eigentliche Geburtsjahr der Eisenbahn.

Im Jahr 1826 begann der deutsche Industrielle Fritz Harkort Schmalspurbahnen für Bergwerke zu bauen, unter anderem die 1829 eingerichtete "Muttentalbahn" an der Zeche Nachtigall bei Witten. In Bayern wurde die erste Feldbahn beim Bau des Ludwigskanals 1839 im Dörlbacher Einschnitt eingesetzt.
Bahnbrechend für die Einführung der Feldbahnen in allen Bereichen wirkte jedoch der Franzose Paul Decauville, der 1875 zunächst für den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb die leicht verlegbaren Bahnen baute, doch schon nach einem Jahr eine Spezialfabrik hierfür errichtete und die Feldbahn damit weltweit verbreitete. Nach 1880 entstanden auch in Deutschland derartige Spezialfabriken, allen voran R. Dolberg und A. Koppel (später Orenstein & Koppel), die ihre Bahnen bis ins letzte Detail mustergültig durchbildeten.
Die ersten Decauville-Gleise wiesen eine Spurweite von 400 mm auf, jedoch verwendete er später die 500 mm und 600 mm Spur. Die 500 mm Spur war nach den deutschen Normen DIN 1250 und DIN BERG 500 die Regelspurweite im Braunkohlenbergbau, für Förderbahnen, auf Baugerüsten, in Steinbrüchen, Torfwerken und kleineren Ziegeleien. Nach DIN 1250 war die 600 mm Spur die Regelspur im Bergbau, auf Hoch- und kleineren Tiefbaustellen, bei Erdarbeiten, sowie in Steinbrüchen. Die 750 mm Spur fand überwiegend in Hüttenwerken und auf größeren Bau-Feldbahn verwendung, und war vom "Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen" als Kleinbahn-Spurweite empfohlen. Die 900 mm Spur war für den Braunkohlen Tagebau und schwere Bau-Feldbahnen vorgesehen. Durch diese Festlegung auf vier Hauptspurweiten konnten die Hersteller ihr Programm auf Vorrat fertigen, und ihre Kunden sozusagen "von der Stange" beliefern.

Die Feldbahnen erlebten ihren größten Aufschwung im und nach dem 1. Weltkrieg. Eine letzte Blütezeit hatten die Feldbahnen nach dem 2. Weltkrieg bei ihrem Einsatz als Trümmerbahnen. Danach wurden sie in raschem Tempo von Lastwagen verdrängt. Heute sind Feldbahnen außer in Museen nur noch bei wenigen Torfbahnen, im Untertage-Bergbau, auf Tunnelbaustellen, sowie in den sogenannten Entwicklungsländern in der Landwirtschaft zu finden.


© 1997/2009, Ralf Schreiner
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